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Ökostrom auf dem Vormarsch

Ökostrom auf dem Vormarsch

Das Manager Magazin berichtete Ende letzten Jahres, dass der Anteil von Ökostrom im Jahr 2012 auf einen Rekordwert von ca. 23 Prozent anstieg.

Damit dürfte er weiterhin vor der Kernkraft liegen. 2011 betrug der Ökostromanteil noch rund 20 Prozent. Dennoch warf eine Kommission von Experten der Regierung mangelnden Ehrgeiz hinsichtlich der Energiewende vor. Auch in diesem Jahr werden die Strompreise voraussichtlich weiter steigen.

Definition „Ökostrom“

Der „grüne Strom“ wird immer beliebter, das muss er auch angesichts der wichtigen Rolle, die ihm in der Energiewende zugesprochen wird. Doch was genau ist Ökostrom?

In der Umgangssprache ist der Begriff Ökostrom eine Bezeichnung für Elektrizität, die überwiegend aus regenerativen Energien gewonnen wird. Er steht dem konventionellen Strom gegenüber, welcher hauptsächlich aus fossilen Energieträgern und Kernenergie gewonnen wird.

Ein grundlegendes Problem im Bereich Ökostrom ist jedoch, dass immer noch keine allgemeingültige und verbindliche Definition gefunden ist. Der Bundesverband erneuerbare Energien lässt alles, was mindestens zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt, als Ökostrom gelten. Die andere Hälfte muss aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stammen, also kann sie ihren Ursprung auch in Kohle, Öl, Erdgas oder sogar Uran finden.

Ist Ökostrom gleich Ökostrom?

Letztendlich entscheiden in dem jetzigen System, dem Renewable Energy Certificate System (RECS), die Stromanbieter, von denen mittlerweile 500 Ökostrom anbieten, was er ist. Seit dem Jahr 2002 gibt es das RECS europaweit in 15 Ländern.  Große Erneuerbare-Energie-Kraftwerke können ihren umweltfreundlichen Strom produzieren und als normalen „Graustrom“ einspeisen, wie Kraftwerke, die fossile Energiequellen oder Atomkraft nutzen, es auch tun.

Das Prädikat „Öko“  mit dem ihr Strom behaftet ist, können sie dann als Zertifikat verkaufen. Auf diese Weise kann dann anderer  „grauer“ Strom, egal aus welcher Quelle, sozusagen  „grün gewaschen“ und als Ökostrom ausgegeben werden. In diesem Fall ist quasi kein Umweltnutzen vorhanden. Hinzu kommt, dass das Angebot an Strom mit RECS-Zertifikat die Nachfrage weit übersteigt, eine solche Stromwäsche sich also entsprechend günstig gestaltet. Der Strom selbst hat daher nahezu keinen Nutzen für die Umwelt.

Nur wenn ein Teil des Gewinns der Stromanbieter in den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien reinvestiert wird, kann sich etwas am Strommix ändern. Dies ist meist mit einem Aufpreis-Modell verbunden, man zahlt also freiwillig mehr, um so seinen Beitrag zur Energiewende zu leisten, doch nur so kann herkömmlicher Strom am Markt ersetzt, beziehungsweise  verdrängt werden.

Kostet Ökostrom mehr?

Grundsätzlich haben Grau- und Ökostromanbieter die gleichen Voraussetzungen, sie zahlen identische Gebühren,  Steuern und so weiter. Ökostrom muss also nicht zwangsläufig teurer sein als Graustrom. Jedoch sollte jedem klar sein, dass der Auf- beziehungsweise Ausbau der regenerativen Energien mit sehr hohen Investitionskosten verbunden ist. Oft ist günstiger Ökostrom ein Indiz für RECS-zertifizierten herkömmlichen Strom.

Aktuelle Alternativen

Das, was den „echten“ Ökostrom ausmacht, ist also der Umweltbeitrag. Diesen Beitrag  kann man jedoch auch sehr gut an anderer Stelle leisten. Es gibt einige Anbieter, die sich auf kreative Weise in Sachen Umweltschutz engagieren. Ein gutes Beispiel hierfür: Der regionale Energieversorger wemio- WEMAG.

Sie bieten neben zertifiziertem Ökostrom auch Erdgas mit ökologischem Zusatznutzen an. Unter dem Namen „Waldgas“ kann man bei der WEMAG normales wemio Erdgas erwerben. Der Zusatznutzen besteht darin, dass das Unternehmen für jeden neuen Gaskunden eine „Waldaktie“ erwirbt. Die daraus entstehenden finanziellen Mittel werden von dem Landforst Mecklenburg-Vorpommern verwendet, um lokale Aufforstungsprojekte durchzuführen.

Darüber hinaus hat man die Möglichkeit die Zusatzoption „Ökoaktivgas“ abzuschließen, bei  der von dem Preis jeder verbrauchten Kilowattstunde ein Teil innovativen Projekten zur CO2 Vermeidung zukommt. Auf diese Weise können Kunden, selbst wenn ihr Strom aus einer fossilen Energiequelle stammt, einen effektiven Umweltbeitrag leisten.

Fazit

Alles, was zählt, ist echter Umweltbeitrag. Wenn man sich für Ökostrom entscheidet, sollte man darauf achten, dass er zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde und dass der Stromanbieter zumindest einen Teil seines Gewinns nutzt, um seine Energiequellen weiter auszubauen.

Der Beitrag zum Umweltschutz kann jedoch auch auf viele andere Weisen erfolgen, die gegebenenfalls genau so sinnvoll sein können. Den prozentualen Anstieg des Ökostromanteils deuten wir dennoch als positives Zeichen.